Mit Kritik umgehen – und positive Gefühle erzeugen

 

Harmonie und Zusammenhalt sind schnell gefährdet, wenn Kritik ins Spiel kommt. Jeder sieht das Leben durch seine eigene Brille, hat eigene Wünsche und Befindlichkeiten, die man als richtig und positiv beurteilt – und schnell werden andere dafür verurteilt, wenn sie diese Ansichten nicht teilen können.

Mit Kritik umgehen- und positive Gefühle erzeugen ist meistens eher schwierig, denn man fühlt sich gleich herabgesetzt, unter Druck gesetzt, oder sonst irgendwie schlecht, da Kritik meist negative Gefühle hervorruft. Grundsätzlich gibt es zwei Formen von Kritik, die konstruktive und die destruktive. Konstruktive Kritik findet auf Augenhöhe statt, ist motivierend, liefert Anregungen und Verbesserungen, stellt das Positive hervor. Es fällt leichter diese Form von Kritik anzunehmen. Destruktive Kritik ist herablassend oder beleidigend, entwertend, stellt die ganze Person in Frage und betont das Negative. Diese Form der Kritik verdient es nicht, berücksichtigt zu werden.

Kritik stellt eine Bedrohung für unseren Selbstwert dar und kann unsere Gefühle verletzen, was dann zu entsprechenden Gegenreaktionen führt. Das Spiel beginnt und so schiebt man sich den schwarzen Peter immer wieder gegenseitig zu. Eine negative Abwärtsspirale entsteht, die für beide Seiten weder fruchtbar noch zielführend ist.

Kritisieren haben wir gelernt
Die meisten Menschen sind schon in Ihrer Jugend mehr kritisiert als gelobt worden. Im Schwäbischen gibt es den Satz: „nichts gesagt ist gelobt genug.“ Kritisieren hat in unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert als Lob und Anerkennung aussprechen – Leider. Über das Kritisieren üben manche auch Macht über andere aus, das heißt, Kritik kann auch ein Machtinstrument sein.
Im hawaiianischen Schamanismus heißt es: „jede Kritik sollte mindestens drei Elemente von Lob enthalten.“ Das nenne ich eine schöne Regel, die dazu beitragen kann, das wir lernen, Anderen mit mehr Wertschätzung zu begegnen. Genau das setzt eine positive Spirale in Gang und ruft sowohl in Dir, als auch in anderen positive Gefühle hervor.

Destruktive Kritik hingegen wirft folgende Fragen auf:
Auf was für ein Ziel ist diese Kritik ausgerichtet? Was sagt die Kritik über die Person des Kritikers aus? Welchen Vorteil hat sie für den Kritiker? Welche Haltung offenbart diese Kritik?
Möchte der Kritiker seine Aggressionen loswerden, seinen Ärger abreagieren, seinen Selbstwert erhöhen, oder seine Macht und Stärke demonstrieren? Das zeigt ja nur, dass diese Kritik offensichtlich dazu dient, dass sich der Kritiker mit sich selber besser fühlt. Also hat das Ganze mit Dir gar nichts zu tun. Du bist nur Mittel zum Zweck, deshalb identifiziere Dich damit nicht und nimm es auf keinen Fall persönlich.

Für unsachliche und unangemessene Kritik stelle ich hier einige Strategien vor, wie man angemessen darauf reagieren kann:

  • Ignorieren und NICHT reagieren
  • Den Kritiker dreifach Loben
  • Das Kind im Kritiker sehen und die Erwartungen die es hat
  • Kritik als unangebracht zurückweisen
  • Eigene Gefühle offenbaren, hinterfragen, ob das das Ziel war, diese Gefühle zu erzeugen?
  • Lächeln
  • Sich für die Kritik bedanken

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass Kritik oft auch nur eine Projektion der Themen, Schwächen und Erwartungen des Kritikers an das Gegenüber ist.
Für Perfektionisten oder Gutmenschen ist es besonders schwierig, mit Kritik umzugehen, denn sie wollen ja alles möglichst perfekt und natürlich richtig machen. Da kann einen Kritik schon ganz schön aus der Balance werfen. Für sie ist es hilfreich, sich Fehler zuzugestehen, einfach um daraus zu lernen.

Berechtigte Kritik als Wachstumsmotor
Wenn die Kritik berechtigt ist und Du kritikfähig bist, kannst Du immer das Positive aus jeder Kritik herausziehen und die Chance entdecken, die sie Dir bietet. Sie hat dann das Potential, deine Lebensumstände zu verbessern, dich beruflich weiter zu entwickeln, oder einen besseren Menschen aus Dir machen.

Deshalb:

  • Kritik hinterfragen
  • Kritik ernst nehmen
  • selbstkritisch sein
  • sachlich bleiben
  • Gelassen bleiben
  • genau klären, worauf die Kritik beruht, um Missverständnisse auszuschließen

Mit Kritik umgehen – und positive Gefühle erzeugen
Was sagt Dir der Kritiker wirklich? Wenn Du genau zuhörst, kannst Du das Bedürfnis hinter den kritisierenden Worten erkennen. Zum Beispiel ein Klassiker wie dieser:
Die Mutter kritisiert die Tochter, weil sie sich so wenig bei Ihr sehen lässt. Die Tochter fühlt sich unter Druck gesetzt, reagiert ärgerlich oder abweisend. Dabei wenn Sie genau hinhört, kann sie das Bedürfnis der Mutter nach ihrer Gesellschaft vielleicht wahrnehmen und anders reagieren, zum Beispiel könnte Sie sagen: „das freut mich aber, dass Du dich nach meiner Gesellschaft sehnst.“ Sofort nimmt das Gespräch eine andere Richtung und erzeugt positive Gefühle und Bilder.

Positive Kritik könnte so aussehen:
Niemand ist frei davon, andere zu beurteilen oder zu kritisieren. Es kommt dabei auf die Wahl der Mittel an und in welchem emotionalen Zustand man sich befindet. Eine gute Möglichkeit Kritik anzubringen wären positive Formulierungen wie:

Ich würde mir wünschen dass Du…
Ich würde mich freuen wenn Du…
Es würde mich glücklich machen, wenn Du…

Dabei kommuniziert man seine Wünsche und Bedürfnisse dahingehend, das man sich auf das positive Ziel fokussiert. Die meisten Menschen sind sehr verletzlich, das sollte man sich immer wieder bewusst machen. Es hilft niemandem, wenn wir uns durch grundlose Kritik das Leben gegenseitig schwer machen. Wir können frei entscheiden, ob wir Geringschätzung oder Wertschätzung verschenken. Letzteres verströmt Wohlbefinden und stärkt den Zusammenhalt.

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